Stewardship vs. Social Entrepreneurship & Ehrenamt

Stewardship vs. Social Entrepreneurship & Ehrenamt

Je mehr wir versuchen, Stewards in der Welt zu finden, desto mehr stoßen wir auf Beispiele, die genau auf der Grenze zwischen Stewards und Nicht-Stewards tanzen: sind sie vielleicht doch eher Social Entrepreneurs oder Ehrenamtler:innen?

Dies ist unser Versuch, den Begriff „Stewardship“ auf Basis einiger Merkmale ein wenig abzugrenzen:

Thematisch sind Stewards genauso frei wie social entrepreneurs und ehrenamtlich Tätige. Sie können in allen Bereichen der Gesellschaft agieren: Umwelt, Demokratie, Spiritualität, Heilung, Bildung, Infrastruktur, usw. An dieser Stelle findet sich demnach kein Unterschied.

Stewards jedoch orientieren sich an Lücken in der Gesellschaft. Diese Lücken werden vorübergehend von Stewards gefüllt, bis sich andere jener annimmt und die Stewards nicht mehr benötigt werden. Zu diesem Zeitpunkt ziehen die Stewards weiter. Das bedeutet, dass diese Lücken wieder offen wären, wenn der einzelne Steward vorzeitig aufhört, sie zu versorgen. Die Ausrichtung auf Lücken liegt in Teilen auch dem Ansatz von Sozialunternehmen zugrunde, denn auch sie füllen Lücken in der staatlichen Versorgung. Allerdings sind Sozialunternehmen auf ein langfristiges Füllen von Lücken ausgerichtet und nicht auf eine vorübergehende Aufgabe. Oftmals sind es Sozialunternehmen, die den Steward wieder frei geben, sich um andere Lücken zu kümmern. Ehrenamt wiederum ist nicht auf das Füllen von gesellschaftlichen Lücken ausgerichtet, sondern auf das Erhalten von gesellschaftlichen Angeboten. Auch sie füllen Lücken, doch es sind die Lücken innerhalb der Organisationen, die Ehrenamtler:innen für den Erhalt ihres gesellschaftlichen Mehrwertes benötigen.

Am Anfang jeden gesellschaftlichen Engagements steht die intrinsische Motivation. Im Sozialunternehmen und im Ehrenamt gesellen sich jedoch bald extrinsische Faktoren hinzu: der Erhalt von Arbeitsplätzen oder sozialen Netzen, der Beweis von Wirksamkeit für Geldgeber:innen, die Angst andere zu enttäuschen etc. Da Stewards zwar immer mal andere um Hilfe bitten, aber insgesamt unabhängig und oftmals unsichtbar agieren, bleibt die Motivation vorrangig intrinsisch. Entweder das thematische Feuer für die Lücke brennt weiter oder die Lücke öffnet sich wieder.

Diese Lücken werden von den Stewards durch Selbstorganisation versorgt. Stewards identifizieren, vermessen und versorgen diese Lücken, ohne jedoch, im Gegenzug zu Sozialunternehmer:innen, hierzu eine Organisation zu gründen. Das Stewardship stellt nicht die Haupteinnahmequelle dar und so entsteht keine zentrale wirtschaftliche Verwobenheit. Stewardships finden außerhalb der unternehmerischen Logik statt. So gehören Stewards zu den gesellschaftlichen Akteur:innen, die nicht in Organisationen angesiedelt sind und sich daher der betriebswirtschaftlichen und systemischen Logik nicht unterordnen müssen.

Stewards gehen mit einer Haltung der selbstbewussten Bescheidenheit durch die Welt. Das bedeutet, dass sie sich dem sehr bewusst sind, dass sie Gutes leisten und gleichzeitig im Blick haben, dass sie Teil eines Ganzen sind. Sie betrachten sich selbst eher als selbstermächtigte Diener:innen der Gesellschaft und handeln fürsorglich und aktiv orientiert an ihren eigenen Werten. Während Sozialunternehmer:innen aufgrund ihrer finanziellen Abhängigkeit von Geldgeber:innen sehr selbstbewusst und erfolgreich auftreten muss und Ehrenamtler:innen aufgrund ihrer geringen Einflussnahme bescheiden bleiben müssen, können Stewards eben an dieser sehr machtvollen Schnittstelle wirksam werden.

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